My body – my choice? Entscheidungsfreiheit braucht Strukturen!

“My body, my choice – mein Körper, meine Entscheidung” lautet der Schlachtruf der Frauenbewegung in den USA, wo reaktionäre Kräfte noch immer den Diskurs um Schwangerschaftsabbrüche bestimmen. Dort ist Abtreibung in den meisten Bundesstaaten illegal, Anbietende werden verfolgt und allzu oft werden Schwangere, die sich um einen Abort bemühen, vor Einrichtungen bedrängt und drangsaliert.

von Inge Blask, Verbraucherpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion im Landtag NRW..
8. März 2022,

Von derartigen Zuständen sind wir gefühlt sehr weit entfernt. Schließlich hat die neue Bundesregierung endlich den überholten §219a abgeschafft, der Werbung für und Informationen über Schwangerschaftsabbrüche unter Strafe gestellt hatte. Doch tatsächlich sind wir auch hier in Deutschland und in NRW weit weg von echter Entscheidungsfreiheit.


Es wird für Frauen und Mädchen immer schwieriger, einen legalen Schwangerschaftsabbruch durchführen zu lassen, da es immer weniger Ärzt*innen gibt, die einen solchen vornehmen. So gibt es aktuell laut BZgA in ganz NRW nur 37 Kliniken oder Praxen, die einen Schwangerschaftsabbruch anbieten. Dabei ist das Stadt/Land-Gefälle eklatant: Während es allein in Düsseldorf fünf Einrichtungen gibt, sind es im gesamten 4-er Postleitzahlengebiet in NRW nur zwei. Wenn ich also beispielsweise eine junge, ungewollt schwangere Frau im Gebiet um Minden bin und einen Abbruch vornehmen lassen will, muss ich dafür entweder nach Bielefeld oder nach Hannover fahren. Beides Strecken von über 50 km und beides Städte, in denen ich mich dann vielleicht gar nicht auskenne.


Deswegen haben mich zwei Sätze aus unserem Leitantrag „Für einen sozialen Neustart in der Gesundheitspolitik“ besonders berührt: „Es darf keinen Kahlschlag in der nordrhein-westfälischen Krankenhauslandschaft geben. Im Gegenteil: Wo es eine Unterversorgung gibt, müssen neue Kapazitäten aufgebaut werden.“ Und: „Eine gute Gesundheitsversorgung für alle muss sowohl in Ballungsräumen, im ländlichen Raum als auch in sozial benachteiligten Stadtteilen sichergestellt sein. Gute Gesundheit darf nicht von der Postleitzahl abhängen.“


Das muss natürlich auch und gerade für den Fall gelten, in dem eine Schwangerschaft gewollt und erfolgreich ist. Eine schwangere Frau muss ihre Entbindung wohnortnah und ohne großen Stress vornehmen können. Leider ist auch das nicht unbedingt gegeben. Von einst mal 290 Geburtshilfeabteilungen sind in NRW gerade einmal 142 übrig geblieben – Tendenz fallend.


Bei mir in meinem Wahlkreis, dem Märkischen Kreis II, gibt es keine einzige Klinik mehr, in der Frauen entbinden können. Die letzte Geburtsklinik hat 2017 aus Kostengründen dicht gemacht. In der Konsequenz heißt das, dass eine hochschwangere Frau im Zweifel über eine halbe Stunde mit dem Auto unterwegs ist, bis sie Hilfe bekommt. Ein untragbarer Zustand!


Auch bei der Verfügbarkeit von Hebammen müssen wir dringend nachsteuern. Wer Nachwuchs erwartet, kennt das Problem: Am besten müssen sie sich schon mit Beginn der Familienplanung um eine Hebamme kümmern. Wenn werdende Mütter und Väter dann die Hebammenzentralen abtelefonieren, werden sie einen Satz immer wieder hören: „Tut mir leid, leider bin ich vollkommen überlastet und kann keine Patientinnen mehr annehmen.“


Deswegen setzen wir uns als SPD-Fraktion dafür ein, dass der Einsatz von Hebammen flächendeckend sichergestellt wird. Hebammen erfüllen eine zentrale Rolle für werdende Mütter und Familien. Man muss sich in Nordrhein-Westfalen darauf verlassen können, dass die Geburt eines Kindes gut begleitet wird.

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