Der Ganztag in NRW braucht mehr Plätze und mehr Qualität

Guter Ganztag an den Schulen kann enormes bewegen. Ganztagsangebote schaffen Bildungschancen. Und sie können herausfordernden Startbedingungen für Kinder und Jugendliche entgegenwirken. Denn immer noch gibt es einen viel zu starken Zusammenhang zwischen Herkunft und Zukunftsperspektiven eines Kindes.

von Eva-Maria Voigt-Küppers, stellvertretende Fraktionsvorsitzende.
29. März 2022,

Doch nur wenn es zwischen Schule und Jugendhilfe ein gemeinsames Bildungs-, Betreuungs- und Erziehungskonzept gibt, können durch den Ganztag (OGS) Chancenungleichheiten beseitigt werden. Dann ist individuelle Förderung für jedes Kind möglich. Bildungspolitik ist gefragt, den richtigen Rahmen zu schaffen. Jedoch fehlt in NRW hierfür immer noch die gesetzliche Grundlage: ein Ganztagsgesetz. Seit März 2018 ist zudem klar, dass Familien ab 2026 einen Rechtsanspruch auf einen OGS-Platz erhalten werden. So hat es die damalige Bundesregierung beschlossen. Wir
haben damals im Landtag in einem Antrag gefordert, dass alle Beteiligten an einen Tisch geholt werden sollen, um gemeinsam an gutem Ganztag zu arbeiten. Schließlich werden durch den Rechtsanspruch auf einen Ganztagsplatz ab 2026 bis zum Sommer 2029 voraussichtlich 200.000 neue Plätze benötigt. Gemeinsame Vorbereitungen sind notwendig. Doch so ein Gremium lehnt die schwarz-gelbe Koalition bis heute ab. Dabei ist eine bessere Verzahnung der Akteure zentral, um den Rechtsanspruch erfüllen zu können – aber auch, um den Ganztag insgesamt zu stärken.


Bis heute hat die Landesregierung kein Konzept für den quantitativen und qualitativen Ausbau der Ganztagsbildung vorgelegt. So lässt die Landesregierung Kommunen, die Träger, die Schulen und auch die Familien allein. Sie wissen nicht, was sie in den nächsten Jahren zu erwarten haben. Wir fordern eine Ganztagsoffensive. Diese sieht unter anderem vor, mehr Personal für den Ganztag zu gewinnen. Die Beschäftigten dort arbeiten oft zu unattraktiven Konditionen. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Ganztag müssen volle und unbefristete Stellen erhalten können. Zu gutem Ganztag gehören multi-professionelle Teams etwa mit Schulsozialarbeiterinnen und -arbeitern. Für sie müssen schnellstmöglich verbindliche Standards erarbeitet und die Finanzierung gesichert werden. In der schulischen Bildung darf niemand in prekären Arbeitsverhältnissen stecken. Wir haben verbindliche Qualitätsstandards für gute Bildung im Ganztag gefordert. Das hat zur Folge, dass wir deutlich mehr pädagogisches Personal brauchen. Wer guten Ganztag will, muss also heute anfangen auszubilden.


Wir brauchen mehr Plätze, wir brauchen mehr Qualität und wir brauchen mehr Bildung. Vor allem brauchen wir eine Landesregierung, die bei diesem Thema einen Gestaltungswillen zeigt und die Potentiale des Ganztags anerkennt.


Zu unserem Antrag “Eine Ganztagsoffensive für NRW. Mehr Plätze, mehr Qualität, mehr Bildung!”

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