Schaffen wir Innovation Citys im ganzen Land

Aus Bottrop für ganz NRW

von André Stinka, umweltpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion im Landtag NRW.
25. März 2022,

Bottrop? Mal ganz ehrlich. Was ist da die erste Assoziation? Bei einigen wird es der Movie Park sein. Bei sehr vielen wird es die Kohle sein. Bottrop ist die Stadt, in der im Jahr 2018 die Ära der Steinkohle in Deutschland endete. Hier malochten die Kumpel bis zum Schluss. Dann hieß es: letzte Schicht auf Prosper Haniel. Wer in der Stadt im Revier unterwegs ist, sieht heute noch die alten Fördertürme und die Halden.

Doch so prägend die Kohle auch war und so wichtig die Erinnerung an diese Ära ist: Ich habe bei Bottrop eine andere Assoziation. Ich denke an Bottrop als Vorreiterin beim Klimaschutz. Als Vorbild für ganz Nordrhein-Westfalen. Denn Bottrop ist seit 2010 Innovation City. Mitten im Wandel weg von der alten Industrie haben sich die Verantwortlichen vor Ort gefragt: Wo können neue Chancen liegen? Und so haben sich die Bottroper auf den Weg gemacht, als Innovation City Energieeffizienz und Klimaschutz zu ihrem Markenkern aufzubauen.

Entstanden ist ein Projekt, das Vorbild sein kann – ja Vorbild sein muss. Denn es räumt auf mit der Behauptung, dass guter Klimaschutz und eine starke Wirtschaft im Widerspruch stehen. Es zeigt, dass Klimaschutz möglich ist und enorme Chancen birgt.

Bottrop hat es geschafft, seit 2010 etwa 50 Prozent der CO2-Emmissionen einzusparen. In der Innovation City Ruhr wurden und werden innovative Ideen und Lösungen entwickelt, um den Herausforderungen des Klima- und Strukturwandels zu begegnen. Etliche Häuser wurden bereits energetisch saniert. Bis 2021 wurden mehr als 3.600 Wohnhäuser im Einzugsgebiet der Innovation City modernisiert. Das sind rund 36 Prozent des gesamten Bestands. Die Solarenergie wurde ausgebaut. Bottrop belegt unter allen Großstädten in NRW den Spitzenplatz bei der Photovoltaik- Dichte pro Einwohner. Bottrop hat einen stahlverarbeitenden Betrieb, der klimaneutral produziert. Und Bottrop hat die E-Mobilität gestärkt. Bürgerinnen und Bürger sowie Unternehmerinnen und Unternehmer wurden und werden eng in den Wandel einbezogen. Die Stadt setzt auf Beratung vor Ort, auf Förderung und Anreize. 3.954 Energieberatungen wurden bis 31. Dezember 2020 durchgeführt und damit mehr als 30 Prozent aller Einzeleigentümer erreicht. 2,7 Millionen Euro Modernisierungsförderung stießen Gesamtinvestitionen von mehr als 20 Millionen Euro an. Dies sind die Zahlen einer Erfolgsgeschichte.

Durch die gute Kommunikation ist es gelungen, die Menschen in Bottrop auf dem Weg der Stadt mitzunehmen. Das ist gut, denn ohne Akzeptanz der Bürgerinnen und Bürger geht nichts. Fast 12.000 Menschen haben Innovation-City-Veranstaltungen besucht. So waren sie von Beginn an in die Entwicklung eingebunden.

In Bottrop gelingt so Klimaschutz ohne steigende Mieten und Arbeitsplatzverluste. Ganz im Gegenteil: Die Einwohner sparen heute Energiekosten und Arbeitsplätze wurden geschaffen. Denn die Initiative ist ein großes Auftragsprogramm für Handwerk und Mittelstand. Was in Bottrop passiert, ist großartig. Was in Bottrop passiert, ist Klimaschutz made im Ruhrpott. Was in Bottrop passiert, sorgt für Interesse auf der ganzen Welt. Viele internationale Gäste sind nach Bottrop gekommen und haben sich informiert, wie die Energiewende hier funktioniert. Und doch haben zu viele in Nordrhein-Westfalen Bottrop als Innovation City nicht auf dem Schirm. Wie kann das sein, wenn doch alles so gut läuft? Die Verantwortung dafür liegt in Düsseldorf am Horionplatz 1, Sitz der Staatskanzlei. Denn von dort regieren seit 2017 Ministerpräsidenten, die der Innovation City viel zu wenig Aufmerksamkeit schenken. Wie sollte ein Ministerpräsident eigentlich reagieren, wenn bei ihm im Land etwas richtig gutes entsteht? Hinschauen, lernen, die Erfahrungen auch anderswo nutzen! Doch die Landesregierung lässt die Möglichkeit einfach liegen. Sie entwickelt die „Innovation City Bottrop“ nicht zu einem Projekt für ganz Nordrhein-Westfalen weiter. Wie fatal! Wie kurzsichtig! Denn so verpasst die Landesregierung die Chance, effiziente und lebensqualitätssteigernde Klimaanpassungen in NRW an vielen Orten umzusetzen. Sie verpasst die Chance, zukunftsfähige Arbeitsplätze zu schaffen. Dabei hatte Rot-Grün die Ausweitung des Projekts vor dem Regierungswechsel 2017 auf den Weg gebracht. Schwarz-Gelb geht diesen Weg nicht.

So darf es nicht weitergehen. Die Forderung aus unserem Leitantrag: Das Vorbild Bottrop tatsächlich auch als Vorbild nutzen.

In diesem Leitantrag haben wir formuliert, wie wir nach dem Vorbild Bottrop einen Klimamasterplan „Innovation Citys NRW“ auflegen wollen. In 1.000 Wohnquartieren wollen wir Häuser energetisch sanieren und die lokale Energiewende vorantreiben.

Denn wäre das nicht eine tolle Assoziation für Nordrhein-Westfalen? Nordrhein-Westfalen, das Bundesland, das Vorreiter beim Klimaschutz ist. Das Bundesland, das aus einer riesigen Herausforderung eine große Chance macht.

Mit den von uns formulierten Plänen können wir das Bundesland sein, das seine Stadtteile energieeffizient macht. Wir können Klimaschutz zum Jobmotor machen. Wir können mit „Innovation Citys NRW“ mindestens 23.000 neue Arbeitsplätze schaffen. Berechnungen zeigen schließlich: Ein Roll-out von Innovation City Bottrop auf ganz NRW wäre ein riesiges Beschäftigungsprogramm. Und würde die Lebensqualität der Menschen in unseren Städten und Gemeinden ganz konkret verbessern.

Na, wenn das keine Perspektive ist. Ich finde, wir sollten das enorme Potenzial nutzen und Nordrhein-Westfalen so stark für die Zukunft aufstellen. Die Blaupause ist da. Denn in Bottrop ist die Zukunft bereits Realität.

Zu unserem Leitantrag “Die Gute Arbeit von morgen für Nordrhein-Westfalen”

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