Vereinbarkeit von Beruf und Familie in NRW: „Dicke Bretter sind zu bohren“

Ausreichend Kita-Plätze, flexible Angebote oder die Kindergrundsicherung: Für Familien in NRW ist viel zu tun. Die SPD-Fraktion setzt sich im Landtag für eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf ein. Darüber hat Dennis Maelzer, familienpolitischer Sprecher, nun mit Fachleuten diskutiert.

von SPD-Fraktion, .
18. Januar 2023,

Familie, Job, Haushalt und vielleicht noch ein bisschen Zeit für sich. Alles unter einen Hut bekommen, ist für Eltern gar nicht so einfach. Viele fragen sich: „Werde ich eigentlich allem gerecht?“ Sie wollen ihren Kindern die beste Zeit ermöglichen. Aber auf der Arbeit soll es ja auch laufen. Klar ist: Bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist noch vieles zu tun. Deshalb hat der familienpolitische Sprecher der SPD-Fraktion im Landtag NRW, Dennis Maelzer, zum Werkstattgespräch nach Düsseldorf eingeladen. Akteure aus allen Bereichen rund ums Kind diskutieren dabei gemeinsam die Frage: „Was fehlt Familien in NRW?“ Gleich zu Beginn prognostiziert Dennis Maelzer: „Das Thema wird uns die ganze Legislatur begleiten.“ Die intensive Debatte belegt rasch: Damit wird er wohl recht behalten – das zeigen die verschiedenen Themen des Abends.

Vollzeit- und Kita-Kind(er) – da darf nix schief gehen

Stefanie Wenz, Vorstandsreferentin, des Landeselternbeirats NRW, kennt es aus eigener Erfahrung. Sie arbeitet Vollzeit, ihr Partner auch. Damit das Familienleben funktioniert „taktet man sich komplett durch.“ Am Ende stehe und falle vieles mit einem kooperativen Arbeitgeber – und einem funktionierenden Kita-Betrieb. Nicola Stroop vertritt in der Debatte den Vorstand des Verbands alleinerziehender Mütter und Väter. Die Zahl der Alleinerziehenden werde immer größer, sagt sie und bestätigt: Im Alltag mit Arbeit und Familie dürfe sich kein Rad verkannten. „Sonst fällt es auseinander.“

Einen Kita-Platz bekommen – aber wie?

Stefanie Wenz hat es deutlich gemacht: Ein guter Kita-Betrieb ist unerlässlich. Dabei ist es gar nicht so einfach, einen Platz zu bekommen. „Gerade für die unter-drei-Jährigen fehlen Plätze“, bemängelt Daniela Heimann, aus dem Vorstand des Landeselternbeirats NRW. Auch brauche es Lösungen für die unterjährige Verfügbarkeit von Kita-Plätzen. Oft würden Plätze nur zum Ende eines Kita-Jahres frei. Das passt nicht in die verschiedenen Anforderungen von Familien. Stroop weißt explizit auf mangelnde Vollzeit-Kitaplätze hin. Gerade für Arbeitssuchende erschwert dieser Mangel die Arbeitssuche. Die Betreuung der Kinder nimmt ohne Vollzeit-Platz die Zeit für einen Job. „Da beißt sich die Katze in den Schwanz“, so Stroop. Denn häufig ist es so, dass vor allem Menschen in Vollzeit-Arbeit einen Vollzeit-Kitaplatz bekommen. „Dabei hat das Kind den Rechtsanspruch auf Betreuung und Bildung“, sagt Heimann. Daher könne die Situation der Eltern nicht entscheidend sein.

Individuelle Bedarfe – aber was ist mit individuellen Angeboten?

Viele Menschen haben einen 9-to-5-Job. Viele aber eben nicht. Sie wünschen sich flexiblere Kita-Angebote für ihre Kinder. Stroop fordert, einen verstärkten Blick auf die Randzeiten zu lenken. „Zusätzlich Betreuung ermöglicht es, dass Eltern arbeiten können“, sagt Stroop. Flächendeckende Projekte für Angebote in Randzeiten würden fehlen. Dabei stellt sie fest: „Erst muss die Betreuung da sein, dann können Eltern arbeiten – das ist Vereinbarkeit.“ Wenz sieht auch in Home-Office eine Möglichkeit für mehr Flexibilität. Sie habe aber das Gefühl, dass Arbeitgeber*innen mit Abklingen der Corona-Pandemie wieder verstärkt ein Kommen erwarten. Wenz erwidert: „Ob in Präsenz oder nicht ist doch egal, wenn ich Ergebnisse liefere.“

Kindergrundsicherung dringend gewünscht

Schon vor 11 Jahren hat sich Stroop für die Kindergrundsicherung eingesetzt. Damals fing sie gerade an in ihrem Verband. Nun hofft sie, dass dieses Anliegen endlich Realität wird. Die Länge zeigt: Oft sind in der Familienpolitik dicke Bretter zu bohren. Dennis Maelzer setzt auf die SPD-geführte Bundesregierung. „Ich habe große Hoffnung, dass die Ampel das umgesetzt bekommt.“

Und wie geht es nun weiter?

Nach der Debatte auf dem Podium steigen die Besucher*innen des Werkstattgesprächs ein. Vertreter*innen aus Wirtschaft, Kitas und Elterninitiativen sind dabei. Das Wohl unserer Kinder geht eben alle an. Und sie alle werfen weitere Themen auf: Alltagshelfer*innen an Kitas, Erholungszeiten für Familien oder der Bildungsauftrag. Fest steht: Für das Wohl von Familien in NRW ist viel zu tun. Das Team #Chancengleichheit mit den Familien- und Bildungspolitiker*innen der SPD-Fraktion wird dafür in dieser Legislatur weiter Konzepte vorschlagen und die Landesregierung fordern.

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