Salafismus

Zwischen Religion und Extremismus

Der Salafismus gilt sowohl in Deutschland als auch auf internationaler Ebene als die zurzeit dynamischste islamistische Bewegung. Der Zuspruch an Sympathisanten in Deutschland hat sich in den vergangenen Jahren kontinuierlich erhöht und liegt derzeit bei 7.000 Personen deutschlandweit. In NRW sind es etwa 1.900 Anhänger. Salafismus ist eigentlich der (unpolitische) Versuch, die islamische Lebensweise durch Rückbesinnung auf die muslimischen "Gründerväter" von falschen Einflüssen zu reinigen. Andererseits ist eine Strömung des Salafismus der Nährboden des islamistischen Terrorismus.

  • Präventionsprogramm gegen gewaltbereiten Salafismus. (Foto: dpa/picture alliance)

Was ist Salafismus?

Salafisten, die Anhänger der Ideologie des Salafismus, sehen sich als Verfechter eines aus ihrer Sicht ursprünglichen und unverfälschten Islams, wie er vom islamischen Propheten Muhammad und den ersten Muslimen, den sogenannten "al-salaf al-salih" (den "rechtschaffenen Altvorderen"), praktiziert worden sei. Salafisten sehen ausschließlich die Bestimmungen des Korans und der Sunna (=Prophetentradition) als verbindlich an.

Der Salafismus ist dabei durch eine besondere Rückwärtsgewandtheit geprägt. Daneben kann er aber auch die Gestalt einer politischen Ideologie mit demokratiefeindlichen und gewaltbereiten Tendenzen annehmen. Extremistische salafistische Prediger und Netzwerke bieten durch gewaltverherrlichende Propaganda einen höchst problematischen Nährboden für Radikalisierungsprozesse. In entsprechenden Milieus finden gewaltbereite Einzelpersonen zusammen und es besteht die Gefahr, dass daraus terroristische Netzwerke entstehen.

Die salafistische Ideologie übt eine nicht zu unterschätzende Anziehungskraft auf Jugendliche aus. Salafistische Prediger vermitteln - vor allem über das Internet - Inhalte, die in deutlichem Widerspruch zu einem freiheitlichen Demokratieverständnis stehen.

Die Verfassungsschutzbehörden von Bund und Land gehen davon aus, dass die Zahl der Personen in den verschiedenen extremistischen salafistischen Szenen in Nordrhein-Westfalen weiter steigen wird.

Prävention und Deradikalisierung als gesamtgesellschaftliche Aufgabe

Vor dem Hintergrund der verstärkten Werbe- und Missionierungsaktivität von Salafisten werden Präventions- und Aufklärungsarbeit auch in NRW immer wichtiger: Vor allem junge, ungefestigte Persönlichkeiten müssen vor dem Abgleiten in die Radikalität bewahrt werden; für bereits radikalisierte Personen sind Deradikalisierungsmaßnahmen notwendig.

Die Bekämpfung des gewaltbereiten Salafismus ist für uns eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Damit diese gelingt, bedarf es eines engen Zusammenwirkens aller Akteure. Die Sicherheitsbehörden des Landes NRW weisen schon länger darauf hin, dass wir im gewaltbereiten verfassungsfeindlichen Salafismus eine besorgniserregende Entwicklung zu verzeichnen haben. Die Zahl der Aktiven in den salafistischen Netzwerken bundesweit und in NRW ist sprunghaft angestiegen. Während im Jahr 2011 etwa 500 Personen in NRW und 3.800 bundesweit dem Salafismus zugerechnet wurden, gehen die Sicherheitsbehörden aktuell von etwa 1.900 Personen in NRW und 7.000 bundesweit aus. Junge Menschen aus Europa und auch aus NRW werden in den Kriegsgebieten als "Kanonenfutter" eingesetzt. Zurzeit geht der Landesverfassungsschutz von etwa 50 Rückkehrern aus den Kriegsgebieten und etwa 300 gewaltbereiten Personen in NRW aus. Insbesondere von den Rückkehrern geht eine große Gefahr aus. Sie sind teilweise schwer traumatisiert, aber auch ideologisiert und verroht, zudem haben sie Erfahrungen im Umgang mit Waffen. Als "erfahrene Kämpfer" genießen sie in der Szene hohe Anerkennung, was sie zu wichtigen Akteuren in der Anwerbung neuer Personen macht.

Die Landesregierung wirkt mit allen rechtsstaatlich verfügbaren Mitteln dem gewaltbereiten verfassungsfeindlichen Salafismus entgegen. Wir machen uns dafür stark, dass die bereits vorhandenen präventiven Maßnahmen des Landes weiter ausgebaut werden. Dafür soll eine gemeinsame Strategie unterschiedlicher Ministerien entwickelt werden. Gemeinsam mit Expertinnen und Experten aus Wissenschaft und Praxis soll die Landesregierung nun ein ganzheitliches Handlungskonzept gegen den Salafismus erarbeiten. Dieses sollte unter anderem folgende Maßnahmen berücksichtigen:

  • Fortführung von Fortbildungen für Lehrerinnen und Lehrer, pädagogische Kräfte, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Justizvollzugsanstalten und der Jugend- und Erziehungshilfe,
  • Entwicklung von Maßnahmen zur Deradikalisierung in Justizvollzugsanstalten,
  • Ausbau der muslimischen Seelsorge in Justizvollzugsanstalten,
  • Förderung von Maßnahmen gegen Salafismus im Bereich der Kinder- und Jugendarbeit,
  • Fortführung und Weiterentwicklung der Informationsangebote durch die Landeszentrale für politische Bildung,
  • Beauftragung von Forschungsarbeiten zum Themenbereich Salafismus,
  • Stärkung der Wachsamkeit der demokratischen Öffentlichkeit gegenüber dem Entstehen von gesellschaftlichen Randbereichen, einer Islamfeindlichkeit und dem verfassungsfeindlichen Salafismus.

Wegweiser - Präventionsprogramm gegen gewaltbereiten Salafismus

"Wegweiser" ist ein umfassendes, innovatives Präventionsprogramm gegen gewaltbereiten Salafismus. Es soll bereits den Einstieg in den gewaltbereiten Salafismus verhindern und zielt daher schwerpunktmäßig auf junge Menschen, die dabei sind, sich zu radikalisieren. Mit seinem Beratungs- und Betreuungsangebot für Betroffene und das soziale Umfeld setzt das Programm früh an und verfolgt bei der Lösungssuche einen ganzheitlichen Ansatz. Gestartet wurde das Programm in den Modellkommunen Bochum, Bonn und Düsseldorf und soll auf weitere Städte und Regionen in NRW ausgeweitet werden. Seit 2015 gibt es auch Anlaufstellen in Duisburg, Köln und Wuppertal.

Das Konzept: Ratsuchende erhalten Beratung und Betreuung in Anlaufstellen vor Ort. Persönliche "Wegweiser" oder auch Berater bieten mit Unterstützung lokaler Netzwerkpartner konkrete und individuelle Hilfe. Dabei respektiert Wegweiser religiöse Überzeugungen, aber keine Gewalt zur Durchsetzung extremistischer Ziele.

Neben den Wegweiser-Anlaufstellen vor Ort bestehen direkte Kontaktmöglichkeiten zur Beratungshotline beim Verfassungsschutz. Ratsuchende aus ganz Nordrhein-Westfalen können sich über die Rufnummer 0211-871-2728 von Montag bis Freitag in der Zeit von 8 bis 18 Uhr an die Beraterinnen und Berater wenden. Die E-Mail-Adresse lautet info(at)wegweiser.nrw.de. Die zentrale Hotline vermittelt auf Wunsch Ansprechpartner vor Ort.

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