24.09.2014 | Dokumente 0:00 Uhr

Glossar Hebammen

Der Beruf

Das moderne Aufgabenprofil der Hebamme und des Entbindungspflegers umfasst die gesundheitliche Versorgung und Betreuung der Menschen in der Lebensphase der Familienplanung. Es erstreckt sich auf die Schwangerschaft, die Geburt, das Wochenbett und die Stillzeit. Hebammen begleiten die Menschen dabei, "Eltern zu werden". Basierend auf diesen breiten Aufgaben des Berufs ist es Ziel der Ausbildung, die Hebamme und den Entbindungspfleger, insbesondere dazu zu befähigen, Frauen während der Schwangerschaft, der Geburt und dem Wochenbett Rat zu erteilen und die notwendige Fürsorge zu gewähren, normale Geburten zu leiten, Komplikationen des Geburtsverlaufs frühzeitig zu erkennen, Neugeborene zu versorgen, den Wochenbettverlauf zu überwachen und eine Dokumentation über den Geburtsverlauf anzufertigen (Paragraf 5 Hebammengesetz).

Gesetzliche Grundlagen der Ausbildung

Das Hebammengesetz (HebG vom 4. Juni 1985, zuletzt geändert durch Artikel 2 des Gesetzes vom 22. Mai 2013) sowie die Ausbildungs- und Prüfungsverordnung (HebAPrV vom 16. März 1987, zuletzt geändert durch Artikel 5 der Verordnung vom 02. August 2013, Inkrafttreten zum 01. Januar 2014) bilden die rechtlichen Grundlagen der Ausbildung. Es handelt sich dabei um ein sog. Berufszulassungsgesetz, das auf der Gesetzgebungskompetenz des Bundes nach Artikel 74 Absatz 1 Nummer 19 Grundgesetz beruht.

Ausbildungsvoraussetzungen:

  • gesundheitliche Eignung zur Ausübung des Berufs
  • Realschulabschluss oder eine gleichwertige Schulbildung oder eine andere abgeschlossene zehnjährige Schulbildung oder
  • Hauptschulabschluss oder eine gleichwertige Schulbildung, sofern der Bewerber

    • eine mindestens zweijährige Pflegevorschule erfolgreich besucht hat oder
    • eine Berufsausbildung mit einer vorgesehenen Ausbildungsdauer von mindestens zwei Jahren erfolgreich abgeschlossen hat oder
    • die Erlaubnis als Krankenpflegehelferin oder Krankenpflegehelfer

 

 

Ausbildungsverlauf

Die Ausbildung zur Hebamme/zum Entbindungspfleger dauert unabhängig vom Zeitpunkt der staatlichen Prüfung drei Jahre. Sie besteht aus theoretischem und praktischem Unterricht (mindestens 1.600 Stunden) sowie einer praktischen Ausbildung (mindestens 3.000 Stunden) und schließt mit einer staatlichen Prüfung ab, die aus einem schriftlichen, mündlichen und praktischen Teil besteht.

Unterricht und praktische Ausbildung werden in staatlich anerkannten Hebammenschulen an Krankenhäusern vermittelt. Die praktische Ausbildung umfasst Einsätze im Kreißsaal, auf der Wochenstation, auf der Neugeborenenstation, auf operativen und nicht-operativen Stationen, in der Kinderklinik und im Operationssaal. Die im Mai 2013 erfolgte Änderung des Hebammengesetzes trägt im Sinne einer Sollvorschrift den veränderten Anforderungen an den Hebammenberuf Rechnung, in dem eine stärkere Einbindung des ambulanten Bereichs in die praktische Ausbildung ermöglicht wird.

Berufliche Praxis

Nach Abschluss der Ausbildung sind es die Hebammen, die die Leitung der normalen Geburt übernehmen. Dies gehört zu den Aufgaben, die ihnen nach dem Hebammengesetz (Paragraf 4) ausdrücklich vorbehalten sind. Vorbehaltene Tätigkeiten sind eine Besonderheit bei den Gesundheitsfachberufen. Im Falle des Hebammenberufes führen sie dazu, dass selbst eine Ärztin oder ein Arzt eine Hebamme oder einen Entbindungspfleger zur Geburt hinzuziehen muss. Denn Hebammen und Entbindungspfleger führen die Geburt selbständig und eigenverantwortlich und ohne ärztliche Anordnung durch. Nur wenn ärztliche Geburtshilfemaßnahmen notwendig werden, treten sie in die Rolle einer/eines Assistentin/Assistenten der Ärztin oder des Arztes.

Nach der Entbindung versorgen Hebammen und Entbindungspfleger Neugeborene und Mütter und dokumentieren die Geburt. Darüber hinaus betreuen sie die Mutter in den ersten Tagen nach der Geburt, übernehmen die Nachsorge des Neugeborenen und beraten in Fragen der Säuglingspflege und -ernährung.

Aber nicht nur die Geburt, auch die Phase der Schwangerschaft, des Wochenbetts und der Stillzeit stellt im Leben der Mütter, Väter und Familien etwas ganz besonderes dar. Mit ihr gehen große Emotionen aber auch Ängste, Unsicherheiten und gesundheitliche Fragen einher. Hier sind Hebammen und Entbindungspfleger verlässliche und kompetente Ansprechpartner. Sie beraten zur Familienplanung, werdende Mütter und Väter zu allen Fragen einer Schwangerschaft und führen Kurse zur Geburtsvorbereitung und Rückbildungsgymnastik durch. Zudem übernehmen sie Vorsorgeuntersuchungen.

Hebammen/Entbindungspfleger arbeiten hauptsächlich in Geburtsabteilungen von Krankenhäusern, in Hebammenpraxen oder Geburtshäusern. Wenn sie die Patientinnen in Krankenhäusern unterstützen, sind sie überwiegend in Kreißsälen, auf Wochenstationen oder in Säuglingszimmern tätig. Freiberufliche Hebammen/Entbindungspfleger betreuen werdende Mütter auch bei einer Hausgeburt oder bei einer ambulanten Nachsorge.

Studiengänge

Seit Oktober 2009 besteht durch die Einführung einer zeitlich befristeten Modellklausel im Hebammengesetz die Möglichkeit, die Ausbildung alternativ zur Fachschule an einer Hochschule zu absolvieren.

Mit der Einführung der Modellklausel hat der Gesetzgeber das Ziel verbunden, die Diskussionen über die zukünftige Ausrichtung weiter zu befördern und Erkenntnisse zu gewinnen, die ihn in die Lage versetzen, über die Zukunft der Ausbildung in akademischer oder nichtakademischer Form zu entscheiden.

EU-Anerkennung der Ausbildung

Die Ausbildung zur Hebamme/Entbindungspfleger erfüllt in allen Vertragsstaaten der EU die Voraussetzungen für eine automatische Anerkennung nach der Berufsanerkennungsrichtlinie 2005/36/EG.

Entwicklung der Haftpflichtprämie für Hebammen

Etwa 21.000 Hebammen arbeiten in Deutschland, 3.500 von ihnen sind freie Beleghebammen. Sie hatten bis April 2014 um ihren Beruf gefürchtet, weil die Nürnberger Versicherung als letzter Versicherer ab Mitte 2015 aus dem Versicherungskonsortium für die Hebammen ausgestiegen war. Ohne Haftpflichtversicherung dürfen Hebammen aber nicht arbeiten. Auf massiven Druck der Bundesregierung gibt es nun eine Lösung, allerdings nur bis 2016 und mit erneutem Anstieg der Haftpflichtsumme auf mutmaßlich mehr als 6.000 Euro pro Jahr. Wie es danach weitergeht, ist ungewiss.

Etwa 15 bis 20 Prozent der Hebammen haben bereits ihre Tätigkeit als Geburtshelfer niedergelegt, nachdem die Haftpflichtsumme vor vier Jahren um 55,6 Prozent auf 3.700 Euro angestiegen war. Seit 2012 kostet sie 4.242 Euro. Bei der Haftung geht es vor allem um Fehler, die während der Geburt passieren. Die Zahl der sogenannten Schadensfälle wird zwar immer kleiner, die verhandelten Summen aber höher. Dabei kann es pro Fall durchaus um sechs bis sieben Millionen Euro gehen, was für die Versicherer ein großes Risiko darstellt.

 

 

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