„Eine Menge Luft nach oben“ – was für geschlechtergerechte Medizin zu tun ist

Frauen sind in der medizinischen Versorgung oft benachteiligt – denn sie ist voll auf Männer zugeschnitten. Die SPD-Fraktion diskutiert, wie sich das ändern lässt.

Lisa-Kristin Kapteinat bringt es auf den Punkt. „Ohne Gesundheit ist alles nichts“, sagt die stellvertretende Vorsitzende der SPD-Fraktion im Landtag in NRW. Umso dramatischer ist es, dass die Medizin an vielen Stellen noch geschlechterblind ist. „Häufig zum Nachteil von Frauen“, sagt Lisa-Kristin Kapteinat. Die Folgen können gravierend, ja tödlich sein. So erleben Frauen häufiger Fehldiagnosen: Herzinfarkte

werden bei ihnen später erkannt und verlaufen häufiger tödlich. Und viele Medikamente sind für Frauen überdosiert, weil sie überwiegend an Männern getestet wurden. „Wir brauchen deshalb eine geschlechtersensible medizinische Forschung und Versorgung, die auch dem weiblichen Körper und seinen Bedürfnissen gerecht wird“, sagt Anja Butschkau, Sprecherin für Gleichstellung der SPD-Fraktion. Wie das gelingt? Das haben Kapteinat und Butschkau im Landtagstalks „Gesundheit für alle Geschlechter. Perspektiven für eine geschlechtergerechte Gesundheitsversorgung“ mit Fachfrauen diskutiert.

Professorin Anke Hinney (Universität Duisburg-Essen, Netzwerk Geschlechtersensible Medizin NRW) unterstreicht die Herausforderung: „Die Geschlechterunterschiede beziehen sich auf jeden Bereich der Medizin.“ Einen Ansatz für Verbesserungen sieht sie bei medizinischen Daten. „Oft werden Daten nicht getrennt zwischen den Geschlechtern betrachtet“, sagt Hinney. So könnten sich geschlechterspezifische Daten nivellieren. „Da ist viel Potential, das aktuell nicht gehoben wird“, sagt Hinney.

 

Endometriose in den Blick nehmen – das fordert Professorin Tanja Fehm, Leiterin des Endometriose-Zentrums des Universitätsklinikums Düsseldorf. „Ein ganz wichtiges Feld“, sagt sie. Denn: Endometriose ist eine der häufigsten Unterleibs-Erkrankungen bei Frauen. Aus Frehms Sicht wäre ein Disease-Management-Programm ein wichtiger Schritt. Das ist ein zentral organisiertes Behandlungsprogramm für chronisch kranke Menschen. Ein Disease-Management-Programm kann sich auch Anna Moors gut vorstellen. Sie ist Initiatorin der Online-Petition „#endendosilence NRW – für Gleichberechtigung im Gesundheitssystem!“ „Bei anderen Krankheiten gibt es eine strukturierte Herangehensweise. Das ist auch bei Endometriose sinnvoll“, sagt Moors.

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