Schulchaos auf die Spitze getrieben

Die vergangenen Wochen und Monate haben in der Schulpolitik für Chaos und Verunsicherung gesorgt. Die Schulministerin glänzte dabei mit Unentschlossenheit und dies führte zum Verlust jedweden Vertrauens in ihre Politik.

von Jochen Ott, schulpolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion.
15. Dezember 2020,

Für den Gipfel der Verwirrung bei tausenden Schülerinnen und Schülern, aber auch Lehrerinnen und Lehrern sowie Schulleitungen sorgte das Schulministerium mit zwei Mails, die weitgehende Maßnahmen für den Schulbetrieb diese Woche erläutern sollten. Die Zeitpunkte für den jeweiligen Versand waren – wie so oft in letzter Zeit – mehr als unglücklich gewählt: am Freitag, 11. Dezember, um 13:33 Uhr und am Sonntag, 13. Dezember, um 19:14 Uhr gingen die Informationen an die Schulleitungen von Aachen bis Zülpich. Das Ministerium setzte seine schlechte Kommunikationsstrategie aus dem Frühjahr fort: wieder einmal neue Informationen für alle, nach Schul- und Dienstschluss.


Eltern und Schülerinnen und Schüler waren bereits vorab durch Äußerungen von Ministerpräsident Laschet in der Presse aufgeschreckt. Die Telefonleitungen in den Schulen standen darauf nicht still. Die Schulleitungen jedoch wussten nicht, was zu tun war, denn die offiziellen Schulmails waren noch nicht versandt. Diese Art der Kommunikation ist schlichtweg katastrophal. Wie sollten sich das Lehrpersonal und die Kinder und Jugendlichen auf die neuen Rahmenbedingungen eben einmal über das Wochenende einstellen?


Schulministerin Yvonne Gebauer hat bis heute kein umfassendes Konzept vorgelegt. Noch vergangenen Mittwoch kanzelte sie im Schulausschuss den Vorschlag der Leopoldina, im Wechselunterricht zu unterrichten und die Schulpflicht für die Zeit vom 14. Dezember bis zum 10. Januar auszusetzen, als „untauglich“ ab. Ganz im Gegenteil: Sie betonte sogar, dass es mit ihr das Aussetzen der Schulpflicht nicht geben werde. Schon am Freitag waren diese Aussagen Geschichte – allerdings zu einer Uhrzeit, zu der der Unterricht an den meisten Schulen bereits beendet war. Nun ist also die Präsenzpflicht ausgesetzt. Aber seien wir doch mal ehrlich: Im Grunde ist dies nur reine Wortklauberei. Die Leopoldina hat längst richtig gestellt, dass sie natürlich die Präsenz- und nicht die Schulpflicht meinte. Yvonne Gebauer hätte dies auch im Ausschuss bereits klar sein müssen.


Eltern der jüngeren Schülerinnen und Schüler (bis zur siebten Klasse) sollen nun darüber entscheiden, ob ihre Kinder am Präsenz- oder ausschließlich am Distanzunterricht teilnehmen. So kann man Verantwortung auch abschieben! Einige Eltern wurden explizit aufgefordert, ihre Kinder zuhause zu lassen, anderen hat der Fahrdienst schon für Mittwoch angekündigt, dann nicht mehr die Schülerinnen und Schüler zu fahren. Es zeigt sich ein Chaos ohne Ende.


Die Entscheidung der Ministerin bringt so viele Unwägbarkeiten mit sich, dass der Schulbetrieb nicht mehr planbar ist. Yvonne Gebauer – wie Vize-Ministerpräsident Stamp im Übrigen auch – kann nicht an einem Tag das eine sagen und am anderen das Gegenteil behaupten. Wenn jemand „mit mir nicht“ sagt, dann ist das eigene Amt doch an die Maxime gebunden, einzuhalten, was man versprach. Hier fehlt es an Konsequenz, an Führungsqualitäten und Verantwortungsgefühl. Die Ministerin ist unglaubwürdig geworden. Die Schulministerin hat zu viel Vertrauen verspielt. Und viel schlimmer noch: sie verunsichert die Handelnden im Schulsystem.


Die Krise wird auch im Januar nicht beendet sein. Wir sollten den Jahreswechsel nutzen, um personell und inhaltlich dieser Pandemie an den Schulen endlich mit einem Plan, der verschiedene Szenarien aufweist, zu begegnen – gerade in Bezug auf die Abschlüsse, die Versetzungen und die weitere Schullaufbahnen insgesamt. Wir brauchen mehr Sicherheit und Orientierung im Schulbereich. Nach den Ferien weitermachen wie bislang, kann nicht der Weg sein.

Bild: stock.adobe.com/H_Ko

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