Die Herausforderungen der Landwirtschaft

Die Landwirtschaft sieht sich vielen drängenden Herausforderungen unserer Zeit gegenüber – wir müssen sie jetzt meistern!

von Annette Watermann-Krass, Sprecherin der SPD-Fraktion im Landtag NRW in der Enquetekommission Landwirtschaft.
21. Juni 2021,

Ich bin auf einem Hof im Münsterland groß geworden, umgeben von Tier und Natur. Ich finde, wir dürfen der Natur nichts nehmen, was wir nicht auch zurückgeben können. Und ich finde, dass man von Landwirtschaft leben können muss. Gleichzeitig kann und muss die Landwirtschaft dazu beitragen, unsere Umwelt für kommende Generationen zu erhalten. Deswegen ist mir eine nachhaltige und regionale Landwirtschaft besonders wichtig. Gemeinsam mit der SPD-Landtagsfraktion setze ich mich daher dafür ein, dass eine gesunde Ernährung und eine vielfältige Landwirtschaft in NRW jetzt und in Zukunft möglich ist.


Die Bedeutung von Landwirtschaft

Landwirtschaft ist heute für viele von uns, gerade im industriell geprägten Nordrhein-Westfalen, eine unbekannte Größe. Das ist insbesondere bemerkenswert, wo noch vor 200 Jahren viele Menschen in diesem Land selbst Bäuerinnen und Bauern waren. Die Industrialisierung hat uns Wohlstand gebracht und wir konnten es uns arbeitsteilig leisten, die Nahrungsmittelversorgung wenigen zu überlassen. Doch wir sehen immer deutlicher den Preis, den wir alle dafür zahlen: den ökonomisch immer weiter getriebenen Strukturwandel durch Spezialisieren, Wachsen oder Weichen. Darunter leiden das Wohlbefinden der Tiere, unser Klima, unsere Böden und die Artenvielfalt. In den letzten Jahren ist, auch in Anbetracht des Klimwandels, die gesellschaftliche Aufmerksamkeit für die Landwirtschaft gewachsen – ebenso wie die an sie gestellten Erwartungen. Damit Landwirtinnen und Landwirte diesen Erwartungen gerecht werden können, müssen wir umdenken. Die ausreichende Versorgung mit hochwertigen Lebensmitteln darf nicht als selbstverständlich gelten. Und die Landwirtschaft darf uns kein Buch mit sieben Siegeln sein, nur weil wir in der Großstadt leben und der Supermarkt nebenan uns jeden Tag ein Überangebot an Lebensmitteln bietet.


Die Arbeit der Enquetekommission

Aus diesem Grund hat der Landtag 2020 eine Enquetekommission zur Zukunft der Landwirtschaft eingerichtet, die sich mit dem nötigen breiten Fokus „Gesundes Essen. Gesunde Umwelt. Gesunde Betriebe“ den drängenden Fragen der Zeit stellt. In diesem Gremium arbeiten wir fraktionsübergreifend und bis zum Schluss weitgehend nicht-öffentlich zusammen. Bisher haben wir viel Wissen gesammelt und uns beispielsweise in sieben öffentlichen Anhörungen zu den Themen gesunde Ernährung, Flächenverbrauch, Bodenmarkt und Bürokratie externe Expertise eingeholt. Wir haben uns über Wertschöpfungsketten und über die Digitalisierung der Landwirtschaft informiert. Auch die Umweltauswirkungen der Landwirtschaft und umgekehrt haben wir beleuchtet und uns mit alternativen Anbauverfahren und sozialen und technischen Innovationen befasst. In der zweiten Hälfte unseres Mandats gilt es, das Gesammelte zu verarbeiten, um am Ende dem Landtag von Nordrhein-Westfalen einen Sachbericht und darauf aufbauende Handlungsempfehlungen vorzulegen. klar ist: wenn wir allen gesunde Ernährung bieten wollen, müssen wir sicherstellen, dass Landwirtinnen und Landwirte von ihrer Arbeit leben können, und dass die Umweltbelastungen möglichst gering gehalten werden.


Unsere Lösungen

In der SPD-Fraktion ist uns wichtig, dass wir nicht nur die Probleme von heute symptomatisch behandeln – wir müssen endlich damit anfangen, sie zu lösen, und zugleich die Probleme von Morgen zu verhindern. Die Bedeutung von Klima- und Naturschutz und gesunder Ernährung, auch für zukünftige Generationen, ist mittlerweile in großen Teilen der Gesellschaft angekommen. Diese zwei Punkte dürfen dabei nicht länger als unabhängig betrachtet werden – und beginnen muss dieser Gedanke in der Landwirtschaft. So ein Umdenken erfordert dabei unser aller Mitwirken. Es beginnt schon bei der Frage – wo und wie wurde mein Essen produziert? Wir wollen dabei die strukturellen Schwierigkeiten angehen, die sich schon viel zu lange offenbaren. Wir müssen Bäuerinnen und Bauern dabei unterstützen, sich für Qualität anstatt Quantität entscheiden zu können – und dennoch von ihrer Arbeit zu leben, und ihrer Verantwortung im Umgang mit unseren natürlichen Ressourcen auch gerecht zu werden. Wir müssen die engagierten Menschen aus der Zivilgesellschaft unterstützen, die sich für einen nachhaltigen Konsum, und eine transparente Herkunft ihrer Lebensmittel einsetzen, und die unsere Lebensgrundlagen schützen wollen. Wir müssen die innovativen Unternehmen unterstützen, die sich auf den Weg gemacht haben, nachhaltigere Produktionsprozesse zu etablieren. Auch der Wandel der Wirtschaft in eine nachhaltige Zukunft, ob in der Industrie, der Logistik oder der Verarbeitung, kann nur mit einer leistungsstarken, nachhaltigen Landwirtschaft gelingen.

Voraussetzung hierfür ist, dass wir unseren natürlichen Ressourcen und insbesondere unseren Lebensmitteln die ihnen zustehende Wertschätzung beimessen, auch wenn viele von uns den Supermarkt direkt nebenan haben. Darauf drängen wir. Davon werden wir an dieser Stelle wieder berichten.

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