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Assistenz durch Technik – Betreuung von Mensch zu Mensch

Pflege ist und bleibt eine Beziehung von Mensch zu Mensch. Digitalisierung in der Pflege wird das nicht ersetzen, aber helfen, mehr Zeit für die persönliche Betreuung zu schaffen. Unser Credo lautet, das Gesundheitssystem von der Patientin und vom Patienten her zu denken. Daher gilt es diese Potenziale zu nutzen, um pflegebedürftigen Menschen mehr wertvolle Versorgungs- und Betreuungszeit widmen zu können.

von Christina Weng, Mitglied im Ausschuss für Arbeit, Gesundheit und Soziales..
18. November 2019,

Digitale Dokumentation hilft, wenn Prozesse intelligent verknüpft werden

Die Dokumentation in der Pflege verbraucht nach wie vor sehr viel Zeit und Ressourcen, die Pflegekräften für ihre Betreuung der Patientinnen und Patienten fehlt. Digitale Dokumentation kann die Arbeit deutlich erleichtern und noch dazu die Qualität der Pflege steigern. Voraussetzung ist, dass die Kommunikation zwischen Berufsgruppen, Sektoren und Systemen barrierefrei und ohne Schnittstellenproblematik realisiert wird. Sinnvoll eingesetzte Pflegesoftware ermöglicht einen besseren Informationsfluss, weniger Bürokratie, schafft mehr Transparenz und verhindert damit Fehler. Außerdem schafft die digitale Pflegedokumentation einen großen Datenschatz, der durch künstliche Intelligenz (KI) wichtige Hinweise für Verbesserungen in der Patientenversorgung liefern kann. Dabei müssen Datensicherheit und Datenschutz höchste Priorität behalten.

Ein digitales Zuhause denkt mit, wenn das Denken schwerer wird

Noch immer sterben viel zu viele Menschen, weil sie bei einem Sturz in den eigenen vier Wänden nicht rechtzeitig Hilfe rufen konnten. Das kann ein sensibler Fußboden verhindern, der Stürze erkennt und ein Notrufsignal sendet. Automatische Herdabschaltungen, die nach einer festgelegten Zeit die Stromzufuhr trennen, können Brände in der Küche verhindern. Interaktive Betten können eine wachsame Unterstützung sein, ohne ethische Grundsätze zu vernachlässigen. All diese technischen Assistenzsysteme verhelfen pflegebedürftigen Menschen zu mehr Selbstbestimmung und Sicherheit in den eigenen vier Wänden. Das muss das Ziel einer zukunftsgerichteten Pflegepolitik sein.

Telecare überwindet Entfernungen, wenn die Mobilität nachlässt

Telecare kann die direkte Pflege und den Kontakt von Mensch zu Mensch nicht ersetzen, doch sie kann die Versorgung vereinfachen. Gerade im Zuge des zunehmenden Fachkräftemangels in der Pflege kann virtuelle Kommunikation einerseits für Arbeitsentlastung von Pflegekräften sorgen, beispielsweise durch eine Videovisite und ggf. in Kombination mit ärztlicher Unterstützung. Andererseits kann sie den Patientinnen und Patienten teilweise weite Anfahrten zu Krankenhäusern ersparen. Dafür benötigen wir eine flächendeckende Breitbandversorgung, die gerade im ländlichen Raum – wo Telecare den größten Nutzen bedeutet – vielerorts noch Fehlanzeige ist. 

Robotik schafft die Zeit für Zwischenmenschlichkeit, wenn sie die Kraft der Pflegenden schont

Pflegeroboter können Pflegekräfte bei einfachen, aber kräftezehrenden Aufgaben entlasten, bei Routinen unterstützen und den Zugang zu kognitiv schwer erreichbaren Pflegebedürftigen erleichtern. Gleichzeitig können sie Patientinnen und Patienten mehr Selbstständigkeit und Selbstbestimmung ermöglichen. 

Wir fordern dabei grundsätzlich: Robotik in der Pflege muss sicher, einfach zu bedienen, verfügbar und anpassungsfähig sein und unter Beteiligung von Pflegeerfahrenen mit- und weiterentwickelt werden. Für all das brauchen klare gesetzliche Regelungen in puncto Qualität, Haftung und Finanzierung.

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